In diesem Forum ist mehrfach der Begriff des Monotheismus verwendet worden, auch im Zusammenhang mit einigen heidnischen Positionen. Das hat bisweilen zu einiger Verwirrung geführt. Einige heidnische Gruppen orientieren sich praktisch mehr oder weniger an einer Gottheit, ohne die Existenz der anderen deshalb zu verwerfen (z. B. der Verein "Wodans Erben" oder Tigerliillis Gruppe "Odin lebt"). Hieraus einen "heidnischen Monotheismus" herleiten zun wollen, beruht allerdings auf einem Irrtum. Im hindusistischen Indien gibt es schon seint Jahrtausenden die Fixierung auf eine Gottheit, für die einen Krischna, für andere Rama, für wieder andere Schiwa, Laksmi u. s. w., nur wurden dabei die anderen Götter nicht verneint, lediglich die Verehrung war auf eine Gottheit beschränkt.
Obwohl dieser Befund seit Jahrtausenden bekannt ist, hatte die Religionswissenschaft, - die es allerdings nicht gab -, dafür noch nicht einmal einen Begriff. Erst im Jahre 1878 prägte der Theologe Friedrich Max Müller mit seinen "Vorlesungen über den Ursprung und die Entwicklung der Religion" den Begriff des Henotehismus.
Damals und schon davor wurde der "relative Monotheismus" noch als Übergangsstufe zum Monotheismus verstanden. Sogar heute enthalten viele religionswissenschaftliche Handbücher den Begriff des Henotheismus überhaupt nicht. Das läßt schon tief blicken, denn nach dem heutigen Stand der religionswissenschaftlichen Forschung ist der Begriff als Durchgangsstadium zwischen Polytheismus und Monotheismus überholt (Christoph Auffahrth, Hans G. Kippenberg, Axel Michaels, Wörtebuch der Religionen, 1. Aufl. Stuttgart 2006, Seite 210).
In der christlich dominierten Sekundärliteratur zu antiken heidnischen Quellen, egal ob zu Sokrates, Platon, Julian, Salustois etc. oder auch zum germanischem oder keltischem Heidentum, ist mitunter von "heidnischem Monotheismus" die Rede. Dort wird aber, teils unbewußt, teils auch mit voller Absicht, ausgeblendet, was ich hier zum Thema gemacht habe. Wenn man jene Bücher liest, muß man den Begriff des Henotheismus einfach kennen, um nicht "über den Tisch gezogen" zu werden. So, ich hoffe das war nicht zu theoretisch und auch kein "intellektuelles Geschwafel".
Gruß, Haganrix
Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Haganrix« (31. Juli 2010, 19:26)