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marco07381

Schüler

  • »marco07381« ist der Autor dieses Themas

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Jungfrau

1

Sonntag, 14. März 2010, 20:18

Wortdeutungen

Ich eröffne mal ein philosophisches Thema, wobei ich nicht nachgesehen habe, ob darüber vielleicht schon diskutiert wurde. Gerade eben sind wir beim Smaltalk erneut auf die Frage gekommen, was denn eigentlich Begriffe bedeuten wie, kreuzgefährlich, Heidenspaß oder Heidenangst. Was meint ihr, wie sind diese Worte entstanden und was bedeuten sie ursprünglich? Habt ihr weitere solcher Begriffe deren Definition unklar ist? Was haltet ihr von einer Sammlung und "Übersetzung" solcher Begriffe? Müssen auch nicht alle Worte im Zusammenhang mit Heidentum, Christianisierung und so weiter stehen.
Y Gwir Yn Erbyn Byd

2

Montag, 15. März 2010, 13:12

Gerade eben sind wir beim Smaltalk erneut auf die Frage gekommen, was denn eigentlich Begriffe bedeuten wie, kreuzgefährlich, Heidenspaß oder Heidenangst. Was meint ihr, wie sind diese Worte entstanden und was bedeuten sie ursprünglich?
Soweit ich mal gelesen habe, bedeutet Heidenangst, die Angst der Heiden bzw. Ungläubigen vor dem Tode, da sie nicht auf die Erlösung von Jesus hoffen können. Ich habe aber auch gelesen, dass der Terminus "eine Heidenangst haben" auf Karl den Großen zurückgehen solle, der mit seiner Zwangsmissionierung, Entsetzen und Elend unter den Heiden verbreitete (Bluttat von Verden).

Heidenspaß könnte aus dem Mittelalter stammen. Damals war es verpönt, dass man als Christenmensch Spaß hatte. Das Leben und Denken war auf das Jenseits ausgerichtet.
Bei Heidenspaß fällt mir spontan Beltane und andere Feste ein. Lieber Heidenspaß als Höllenquallen. :-)

Mit kreuzgefährlich assoziere ich die Kreuzzüge des Mittelalters. Möglicherweise liegt dort dessen Ursprung.

3

Dienstag, 16. März 2010, 21:27

interessant dazu:

"Heiden" ist ein objektiver Genitiv (wie z.B. "Gottes" in "Gottesfurcht"), demnach greift die Erklärung z.B. bei "Heidenangst" = grosse Angst haben wie die Christen VOR den Ungläubigen. Im Laufe der Zeit ist daraus jedoch bedeutungsmässig einfach nur eine Verstärkung geworden, z.B. Heidenarbeit (=mühsame, umfangreiche Arbeit), Heidengeld (=sehr grosse Geldsumme), Heidenlärm (=sehr laut) und heidenmässig (=sehr gross, sehr viel); mit den Heiden als solchen haben diese Wörter aber nichts (mehr) zu tun.

Das klärt aber leider die Herkunft auch nicht.

off topic.

Leider habe ich auch das noch gefunden:
(auf kreuz.net)

Zitat


Heidenangst

Jeder gottlose Mensch, der den Mut hat, sein Leben zu Ende zu denken, steht irgendwann vor einer fürchterlichen Ausweglosigkeit. .....................
.............................Für den gottlosen Menschen wird das Leben deshalb bald hoffnungslos. Für ihn endet das Leben mit absoluter Gewißheit in einer fürchterlichen Niederlage.
Wozu dann noch kämpfen? Gegen den Tod ist sowieso kein Kraut gewachsen. Die Medizin mit ihren Elixieren kann uns darüber nicht hinwegtäuschen.
Vor der absoluten Herrschaft des Todes sind wir als Geschöpfe ohne jede Chance.
Es ist deshalb konsequent, daß sich mancher Atheist entschließt, das von ihm nicht freiwillig begonnene Unternehmen Leben durch Selbsttötung zu beenden – wie etwa der Schriftsteller Ernest Hemingway († 1961), der Schriftsteller Klaus Mann († 1949) oder der Sexualforscher Ernst Bornemann († 1995).
Jeder Mensch ohne Gott, der zu Ende denkt, steht irgendwann unweigerlich vor dieser Ausweglosigkeit.

Christa M. ist eine bekannte Psychotherapeutin. Der Text stammt aus der überarbeiteten Fassung eines Vortrages, den sie an einem von ‘Kirche in Not’ organisierten Augsburger Kongreß gehalten hat.



Solche Aussagen von einer "Psychotherapeutin"!
Da dreht sich mir der Magen um, das ist wohl eher eine Psychoterroristin, e-kel-haft!


(sorry, aber ich reg mich so auf)





4

Mittwoch, 17. März 2010, 09:34

Interessanter Ursprung des Wortes "Deutsch" + Heidenarbeit/Heidengeld

"Heiden" ist ein objektiver Genitiv (wie z.B. "Gottes" in "Gottesfurcht"), demnach greift die Erklärung z.B. bei "Heidenangst" = grosse Angst haben wie die Christen VOR den Ungläubigen. Im Laufe der Zeit ist daraus jedoch bedeutungsmässig einfach nur eine Verstärkung geworden, z.B. Heidenarbeit (=mühsame, umfangreiche Arbeit), Heidengeld (=sehr grosse Geldsumme), Heidenlärm (=sehr laut) und heidenmässig (=sehr gross, sehr viel); mit den Heiden als solchen haben diese Wörter aber nichts (mehr) zu tun.

Das klärt aber leider die Herkunft auch nicht.
Heidenarbeit kommt daher, dass im Mittelalter "Ungläubige", d. h. jeder der nicht christlich war, keinen Grundbesitz erwerben bzw. besitzen durfte. Die "Ungläubigen" siedelten sich daher in Städten an. Da die Handwerkszünfte nur Christen aufnahmen, blieb den "Heiden" nur schwerste, schlecht bezahlte und verachtete Tätigkeiten wie beispielsweise Geldverleiher (vor allem Juden übten diesen Beruf aus), Brunnenputzer, Scherenschleifer, Kesselflicker usw. übrig - daher der Ausdruck Heidenarbeit.

Interessant ist übrigens, woher das Wort Deutsch kommt:

Zitat

Anders als viele andere Sprach- und Nationalitätsbezeichnungen geht deutsch nicht auf den Namen eines Stammes oder einer Volksgruppe zurück, auch nicht auf teutonisch, sondern vielmehr auf mhd. diutisch/diutsch, tiutsch/tiusch (deutsch), ahd. diutisk (verwandt mit gotisch þiudiskô, heidnisch), alles Adjektive (mit Endungen entsprechend nhd. -isch), die zurückgehen auf germ. þeuðo, got. þiuda, ahd. thiot[a], diot[a], mhd. diet, allesamt Volk, Stamm bedeutend. Auch das engl. Dutch läßt sich über das Mittelniederländische hierauf zurückführen. Auf dieselbe Wurzel wie deutsch geht übrigens auch deuten zurück, was dem Volk verständlich machen heißt.

Der älteste Beleg stammt aus dem Jahre 786: In einem Bericht wird festgestellt, daß Beschlüsse einer angelsächsischen Synode sowohl auf Lateinisch als auch theotisce (volksgemäß, in der Art des Volkes, volkssprachlich) verlesen worden seien, damit jeder sie verstehen könne. (In diesem Fall bezieht sich theotisce sogar auf das Englische.) theodiscus (daraus it. tedesco) ist zwar die älteste überlieferte Form; es handelt sich dabei jedoch um die Latinisierung der (rekonstruierten) westfränkischen Form þeodisk, nicht umgekehrt.
aus: http://faql.de/etymologie.html

Beim Googlen des Begriffes Heidengeld habe ich folgende zwei Begründungen gefunden, wobei mir die zweite schlüssiger vorkommt:
  1. Heidengeld soll auf die Reichtümer der nordischen Höfe und Dörfer zurückgehen, die ihr Geld durch Raubzüge und Plünderfahrten gemacht hatten.
  2. Da der Geldverleih im Mittelalter großteils in nichtchristlichen Händen (Juden) lag und man sich etwas leihen musste, um eine Anschaffung zu tätigen, musste man dieses geliehene Geld mit Zinsen zurückzahlen. Im Endeffekt zahlte man mehr zurück, als man sich geborgt hatte. Daher setzte sich der Begriff Heidengeld als Synonym für etwas durch, das mehr kostet, als es wirklich wert ist.
PS: Das Zinsverbot der Kirche, das Christen auferlegt wurde, wurde von den Templern und anderen christlichen Bankiers durch einen Zuschlag geschickt umgangen.

Interessante Quellen über Wucher im Mittelalter:
http://www.historia-universalis.de/historia_universalis/Mittelalter02.htm

5

Sonntag, 21. März 2010, 22:26

Zitat von Weltengänger:

<Heidenarbeit kommt daher, dass im Mittelalter "Ungläubige", d. h. jeder der nicht christlich war, keinen Grundbesitz erwerben bzw. besitzen durfte. Die "Ungläubigen" siedelten sich daher in Städten an. Da die Handwerkszünfte nur Christen aufnahmen, blieb den "Heiden" nur schwerste, schlecht bezahlte und verachtete Tätigkeiten wie beispielsweise Geldverleiher (vor allem Juden übten diesen Beruf aus), Brunnenputzer, Scherenschleifer, Kesselflicker usw. übrig - daher der Ausdruck Heidenarbeit.>

Man möge mir verzeihen, wenn ich Obenstehendes für blanken Unsinn halte.
Juden wurden im Mittelalter zu keiner Zeit - im Gegensatz zu Muslimen - als "Heiden" bezeichnet (nach meinem Wissen), sondern eher zusammen mit Letzteren genannt (da ebenfalls "nicht-christlich").

Kein Nichtchrist (weder Jude, Muslim noch Heide) durfte einer Zunftgesellschaft beitreten, was ein allgemeines Berufsverbot bedeutete für an sich heterogene Gruppen.
Für nicht richtig hingegen halte ich die Behauptung, Heiden bzw. Ungläubige (wobei allein schon hier die Gleichsetzung hinkt) hätten sich vornehmlich in Städten angesiedelt, wo sie ja prinzipiell ausgestoßen waren.
Nicht logisch. Verzeihung...)

Alter Brockmann murrt mal wieder.

6

Montag, 22. März 2010, 19:07

Man möge mir verzeihen, wenn ich Obenstehendes für blanken Unsinn halte.
Juden wurden im Mittelalter zu keiner Zeit - im Gegensatz zu Muslimen - als "Heiden" bezeichnet (nach meinem Wissen), sondern eher zusammen mit Letzteren genannt (da ebenfalls "nicht-christlich").

Kein Nichtchrist (weder Jude, Muslim noch Heide) durfte einer Zunftgesellschaft beitreten, was ein allgemeines Berufsverbot bedeutete für an sich heterogene Gruppen.
Für nicht richtig hingegen halte ich die Behauptung, Heiden bzw. Ungläubige (wobei allein schon hier die Gleichsetzung hinkt) hätten sich vornehmlich in Städten angesiedelt, wo sie ja prinzipiell ausgestoßen waren.
Nicht logisch. Verzeihung...)

Alter Brockmann murrt mal wieder.

Lieber Brockmann, auch wenn du murrst, Juden wurden sehr wohl als im Mittelalter als Heiden bezeichnet. ;-)

Es gibt u. a, genügend Literatur darüber:

"Das Bild vom Juden im Deutschland des frühen 16. Jahrhunderts" von Hans-Martin Kirn, Mohr Siebeck Verlag, 1989, S. 192
Auszug:
Die Propagandierung des Juden als Heiden sollte den Rollentausch von Kirche und Israel deutlich machen und die Notwendigkeit von Judenmission durch Zwangspredigten begründen. Anders als bei jeder Art von Zwangsarbeit handelte es sich hier um die kirchenrechtlich sanktionierte Form von Gewaltanwendung. Hinzu trat die Verspottung jüdischer Riten als heidnisches Machwerk und die Gleichstellung der Juden mit Götzendienern.

Ein weiteres empfehlenswertes Buch über die mittelalterliche Gesellschaft und deren Außenseiter:

"Außenseiter zwischen Mittelalter und Neuzeit - Zum 60. Geburtstag: Festschrift fur Hans-Jurgen Goertz " von Hans-Jürgen Goertz, Norbert Fischer, Marion Kobelt-Groch, Verlag Brill Academic Pub, 1997

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